Unser Stand auf dem Klimaschutzmarkt

Im Rahmen der diesjährigen Klimaschutztage fand am Samstag, den 25.06.22, der Klimaschutzmarkt statt. Im Folgenden findet ihr eine Übersicht über die von uns bereitgestellten Medien mit weiteren Informationen.

Vorstellung GermanZero und GöttingenZero

Was bedeutet Klimaneutralität bis 2030?

Klimaneutral:

Klimaneutralität bedeutet im wesentlichen, weniger Treibhausgasemissionen auszustoßen als durch die Natur wieder aufgenommen werden können. Das Ziel sind hierbei die netto null Emissionen.
Zunächst müssen dazu sämtliche Emissionen, oft in der Einheit CO2e (CO2-Äquivalente; siehe info) angegeben, vermieden werden. Hierzu können die aktuellen Emissionen in den verschiedenen Sektoren betrachtet werden, die es zu senken gilt. In der Strom- und Wärmeerzeugung sowie in der Industrie und im Verkehrssektor müssen alternative, nicht-fossile Energiequellen zum Einsatz kommen. Beispiele hierfür sind erneuerbare Energien mittels Photovoltaikanlagen, Windenergie und Wasserkraft, grüner Wasserstoff oder Elektromobilität durch Strom aus erneuerbaren Energiequellen.
Gleichzeitig muss der Atmosphäre aktiv CO2 entzogen werden. Das ist möglich indem Kohlenstoff durch Pflanzenwachstum in nachhaltig bewirtschaften Wäldern oder bei der Humusbildung gebunden wird. Hierdurch können zunächst nicht vermeidbare Emissionen abgefedert werden und die CO2 Konzentration in der Atmosphäre vom weiteren Anstieg bewahrt werden.
Ein weiterer Hebel ist die Suffizienz. Diese beschreibt anders gesagt eine Genügsamkeit und eine Abkehr von stetigem Wachstum mit dem immer mehr und immer schneller. Denn was wir nicht verbrauchen, müssen wir nicht produzieren. Dieser Satz ist anwendbar auf verschiedenste Bereiche. Beispielsweise: Produktion von Gütern wie Kleidung, Fahrzeugen, technischen Produkten oder Energieerzeugung von Wärme und Strom. Es ist auch somit auf den individuellen ökologischen Fußabdruck anwendbar.

2030:

Das Zieljahr der Klimaneutralität zur letztmöglichen Einhaltungsmöglichkeit des 1,5-Grad-Ziels ist bereits in 8 Jahren. Neusten Veröffentlichungen zufolge wird die globale Erwärmung um 1,5°C allerdings bereits 2026 erreicht (UN-Prognose).
Alldem ging eine lange Zeitspanne voraus, in der sich die Wissenschaft über den Klimawandel bewusst war und vor seinen Folgen gewarnt hat. Gleichzeitig sind jedoch die Emissionen immer weiter gestiegen und der Klimaschutz wurde aufgeschoben. Nun müssen wir schnellstmöglich ins Handeln kommen: für echten Klimaschutz durch netto null Emissionen.

Info CO2e:

vVrschiedene Treibhausgase haben unterschiedliche Treibhauspotentiale. Das bedeutet, dass einige schon in geringeren Konzentrationen in der Atmosphäre einen hohen Einfluss auf das Klima haben. So hat Methan (CH4) ein 21 mal höheres Treibhauspotenzial als CO2 und Distickstoffmonoxid (N2O), auch Lachgas genannt, hat das höchste Treibhauspotential. Ein Molekül N2O in der Atmosphäre hat den gleichen Effekt auf das Klima wie 310 CO2 Moleküle.
Letztendlich bestimmt jedoch die Konzentration in der Atmosphäre, wie klimawirksam ein Treibhausgas ist. Dementsprechend hat N2O, das Gas mit dem höchsten Treibhauspotential, die geringste Klimawirkung, da es nur in einer geringen Menge in der Atmosphäre vorkommt.
Die CO2-Äquivalente ist eine Einheit, die das Treibhauspotential verschiedener Spurengase auf die Klimawirksamkeit von CO2 bezieht, um so einen relativen Bezug zum Strahlungsantrieb (Wie viel trägt das Gas zur globalen Erwärmung bei?) zu schaffen. Die Einheit wurde hierbei auf CO2 normiert, da es mit rund 420 ppm (Stand 2022) den größten Anteil in unserer Atmosphäre ausmacht.

Klimawandel/-krise und Vogel-Strauß-Taktik

„Warum fällt es mir so schwer, mein Verhalten zu ändern, obwohl ich um die Fakten weiß?“
Die tieferen Ursachen, warum wir auf eine so große Bedrohung wie den Klimawandel nicht längst schneller und intensiver reagiert haben, sind auch in der menschlichen Psyche zu finden:
Seit den 1970 er Jahren ist das Phänomen des Klimawandels bekannt. Inzwischen sind die Auswirkungen der Klimakrise für jeden zu spüren, nicht nur im Süden, sondern auch in Nordeuropa und auch in Göttingen.
Besonders in Städten (Wärme-Inseln) steigen die Temperaturen stark an und es kommt nachts nicht mehr zu einer Abkühlung.
Schon jetzt gab es im Jahr 2018 allein in Berlin 500 Hitzetote; in ganz Deutschland waren es 20.200 Hitzetote, Tendenz steigend – Quelle: Vortrag Herr Dr. Koppenleitner, Kinderarzt, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit -KLUG.

Das Bild „eines Frosches, der im Wasser sitzt, das sich langsam erwärmt“, veranschaulicht auch gut unsere gegenwärtige Situation; d.h. anfangs ist das Wasser kalt, dann angenehm warm, dann wird es irgendwann so heiß, dass der Frosch stirbt. Das kann man vergleichen: Bei uns war es oft kühl, dann haben wir uns über ein mediterranes Klima gefreut, nun haben wir schon manchmal tropisches Klima. Die Folgen des Klimawandels sind oft nicht sofort sichtbar, sondern finden zeitverzögert statt.
Die menschliche Psyche ist so gebaut, dass sie angenehme Dinge eher annimmt als unangenehme. Unangenehme Situationen werden oft gern verdrängt oder verleugnet s. „Vogel-Strauß Bild“. Man kann auch von einer „Veränderungsresistenz“ sprechen. Es gibt noch etliche weitere Gründe, warum wir nur ungern etwas verändern: Faktor Trägheit, Faktor Falschinformationen durch unsere Medien, Faktor sozialer Vergleich u.a.
Weiterhin hat der technische Fortschritt – seit ca. 170 Jahren – beim Menschen zu Glaubenssätzen wie „Die Natur muss zugunsten des Menschen umgebaut werden“ oder „Der Mensch ist durch den technischen Fortschritt unverwundbar, kann alles steuern“ geführt. Eine Veränderungsmöglichkeit ist die Nachhaltigkeit.


Natürlich muss die Politik bei dieser globalen Herausforderung ganz viel machen und kann nicht die Verantwortung für den Klimawandel ganz auf das Individuum abwälzen. Es muss aber auch jeder Einzelne etwas tun.

Als Einzelner fühlt man sich leichter bedroht, allein gelassen, handlungsunfähig, hilflos, hat Angst, Frust, verspürt Kontrollverlust. Eine konstante Bedrohung ist neu. So haben auch junge Familien nun reale Zukunftsangst. Es kann soweit gehen, dass Paare sich überlegen, ob sie noch ein Kind in diese Welt setzen wollen. – Solch eine vergleichbare Bedrohung war in unserer Zeit 1986 beim AKW-Gau von Tschernobyl zum 1. Mal zu spüren.

Was kann jede/r Einzelne tun? Jede/r sollte einen Mittelweg für sich passend finden – um sich in ihren/seinen Handlungsmöglichkeiten nicht zu über -und auch nicht zu unterschätzen. Aktiv zu sein, tut gut und ist gut.

Man sollte genau überlegen: Wo kann ich beispielsweise in meinem Leben nachhaltiger sein? Es wäre gut, die Maßnahmen auf Alltagstauglichkeit zu prüfen. Eine positive Lebenseinstellung sollte man in diesen Krisenzeiten richtig  einüben, d.h. eine gute Selbstfürsorge betreiben.

Wie sollten Eltern mit ihren Kindern umgehen?
Zuhören, ernstnehmen, versuchen so kinderfreundlich wie möglich aufzuklären und auch Emotionen zulassen. Für die Kinder da sein!

Wir haben in Bezug auf den Klimawandel viel zu lange gezögert und zu wenig geändert, dass wir jetzt leider in sehr kurzer Zeit viel verändern müssen.
Jetzt müssen wirklich alle etwas verändern! Auf allen Ebenen!
Die beste Methode, auch andere zu überzeugen, etwas zu verändern, ist die, selbst eine Vorbildrolle einzunehmen und durch das eigene Verhalten zu zeigen, dass klimagerechtes Verhalten bzw. nachhaltiges Leben möglich ist.

Quellen

  • Scientists for Future (S4F) Göttingen – Startseite – Downloads – Poster – 8 Schritte für jede*n – Schritt 4 – Sich selbst verstehen, Psychologische Abwehrmechanismen.
  • S4F – Wissenszentrum – Schlagworte – Psychologie – Spotlight Video – „Wohlbefinden in der Klimakrise“ 4:57 Min., Frau Prof. Dr. Psych. Rothenberg-Elder
  • Fernsehsendung auf arte am 05.03.22 „Klimawandel und Vogel Strauß Taktik“
  • Buch „Klima Angst“ – Autorinnen Amelie (Psychologin) und Friederike (Politikwissenschaftlerin) Schomburg – Stichwort „Resilienz“