Warum 2030?

Im Pariser Klimaabkommen haben sich die Staaten verpflichtet, die globale Erwärmung unter 2 Grad, möglichst aber unter 1,5 Grad zu halten. Damit wird die Chance gewahrt, zumindest die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. Das Ausmaß der globalen Erwärmung hängt weitgehend von der Summe der insgesamt seit der vorindustriellen Zeit in die Atmosphäre gebrachten CO2-Emissionen ab. Deshalb ergibt sich aus den aktuellen Klimamodellen eine Restmenge (Budget) an CO2, die noch emittiert werden darf, wenn das 1,5-Grad-Ziel wenigstens mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% erreicht werden soll. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) gibt dieses globale Budget in seinem Sonderbericht [1] von 2018 mit 580 Gt (Milliarden Tonnen) CO2 an. Verteilt man dieses Budget gleichmäßig auf alle Menschen, so ergibt sich für Deutschland ein anteiliges Budget ab 2020 von 4,2 Gt [2]. Bei gleichbleibender Emission (0,71 Gt in 2019) wäre dieses Budget also Ende 2025 aufgebraucht [3].

Natürlich müssen auch wir in Göttingen unseren Beitrag leisten, das CO2-Budget zumindest nicht zu überschreiten. Wie schnell müssen wir also den Ausstoß von CO2 also herunterfahren und Klimaneutralität erreichen? Diese Grafik [4] gibt dazu einigen Aufschluss:

Die schattierten Flächen entsprechen jeweils dem Restbudget von 4,2 Gt für Deutschland. Man sieht unmittelbar, dass die Emissionen schnellstmöglich und drastisch heruntergefahren werden müssen, um das Restbudget einzuhalten. Der Pfad zur Klimaneutralität 2050, wie von Bundesregierung und auch der Stadt Göttingen [5] geplant, würde das Budget um einen Faktor 2,5 überschreiten (hellgrüne, dick gestrichelte Linie). Das Budget kann andererseits gerade eingehalten werden, wenn wir ab sofort jedes Jahr 10% des Ausstoßes von 2020 einsparen, so dass wir Ende 2030 bei Nullemission ankommen (mittelgründe gerade Linie). Alternativ kann man in den nächsten Jahren schneller reduzieren, um sich für die Zeit ab 2029 ein Budgetpolster zu schaffen und 2035 Nullemission zu erreichen (dunkelgrüne Kurve). Für Deutschland als Ganzes ist das auch angemessen, da es Bereiche z.B. in der Industrie gibt, die wohl erst bis 2035 klimaneutral werden können.

Was bedeutet das für Göttingen? Wir haben keine Stahl- und Zementwerke, keinen Flughafen usw.: wir können und müssen schon bis 2030 klimaneutral werden, auch um zum Budgetpolster für Deutschland beizutragen. Wenn wir die Klimaneutralität erst ab 2035 (oder später) anstreben würden, dann müssten wir zur Budgeteinhaltung die Emissionen gerade in den nächsten Jahren noch viel schneller reduzieren als wir das für Klimaneutralität 2030 tun müssen – gerade dann, wenn die Maßnahmen erst anlaufen müssen und es eher langsamer als schneller vorangeht.

Aus diesem Grund muss das Ziel für Göttingen sein: Klimaneutralität 2030!

[1] https://www.ipcc.ch/sr15/

[2] https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2016_2020/2020_Umweltgutachten_Kap_02_Pariser_Klimaziele.html

[3] Im Evaluationsbericht von 2020 zum Masterplan der Stadt Göttingen wird das 1,5-Grad-Ziel aufgegeben und das ca. 40% höhere CO2-Budget für eine Wahrscheinlichkeit von 67% für 1,75 Grad Klimaerwärmung angesetzt. Sogar dieses Budget würde die Stadt unter Beibehaltung des gegenwärtigen Trends der CO2-Emission bis 2050 um das Doppelte überschreiten und Klimaneutralität bei weitem nicht erreicht haben.

http://www.goettingen.de/rathaus/konzepte/umwelt-und klimaschutz/evaluationsbericht-klimaschutz-2020.html

[4] Wuppertal Institut (2020). CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze.

https://fridaysforfuture.de/studie/

[5] https://www.goettingen.de/pics/medien/1_1510593601/Masterplan_100___Klimaschutz_Goettingen.pdf